Chronik Heide

Bericht von Günter Lohmar über Christian Franzel
  • Tischtennissteinzeit auf der Osterfelder Heide
    Vor fast 50 Jahren hat der TTC Borussia Osterfeld-Heide das Licht der Welt erblickt.
    Der Leser wird sich fragen, welche „Geschichte“ hat denn ein so junger Verein? Was kann es da schon Interessantes zu berichten geben?
    Gemessen an anderen Vereinen aus unserem Stadtgebiet, der Chronist denkt dabei z. B. an den Oberhausener Turnverein von 1873 oder an TuS 1887/97 Alstaden, um nur zwei Vereine herauszugreifen, ist der TTC Borussia ein junger Verein. Wenn man aber berücksichtigt, dass er ein reiner Tischtennisverein ist, und wenn man weiter bedenkt, dass der Tischtennissport bei der Gründung des TTC im Jahre 1957 weithin, nicht nur im Kreis Oberhausen / Bottrop, in den Kinderschuhen steckte, dann erhält die Vereinsgeschichte doch schon ein etwas anderes Bild.
Es gab 1957 eine Menge weißer Flecken auf der Landkarte des Tischtennissports, und Oberhausen war in diesem Punkt noch sehr entwicklungshilfebedürftig. Auch damals schon gab es einige „reiche Industrieländer“, um bei diesem Vergleich zu bleiben, z. B. PSV Oberhausen, RW Bottrop, Sterkrade 69, aber insgesamt gesehen war die Landschaft dünn besiedelt.

Erst Ende der 50er Jahre belebte sich die Tischtennis-Szenerie. Die Initiativen gingen weniger von den etablierten Sportvereinen, mehr von den Jugendgruppen in den Pfarrgemeinden aus. Die Jugendlichen organisierten sich daher auch hauptsächlich im DJK-Verband und erst später im WTTV. Fast zur gleichen Zeit entstanden die Vereine DJK Borussia Osterfeld-Heide – unser ursprünglicher Name -, DJK Fernewald, DJK Styrum, DJK Ebel, DJK Adler Oberhausen und etwas später CVJM Buschhausen. Die Entwicklung war folgerichtig, denn in fast allen Jugendheimen gab es Tischtennisplatten, und wenn erst einmal bei den jungen Menschen die Freude an diesem schönen Sport geweckt war, musste das Kräftemessen mit fremden Gegnern zwangsläufig folgen.

  • Wie sah es vor dieser Zeit im Osterfelder Tischtennis aus?
    Außer einem Spielchen auf einem Ausziehtisch gab es nicht viele Möglichkeiten. Wer konnte sich schon eine Tischtennisplatte leisten? Um so dankbarer nahmen interessierte Jungen auf der Osterfelder Heide das Angebot der Kath. Kirchengemeinde St. Josef an, in dem Behelfsjugendheim, einer Holzbaracke, die sich hinter dem alten Pastorat an der Hertastraße befand, Tischtennis zu spielen. Ausmaß des Raumes, richtige Netzhöhe, Schlägerbelag, 3-Stern-Bälle, alles das war Nebensache. Es galt nur die Freude am Spiel. Diejenigen, die sich zu Hause am Ausziehtisch schon als besonders begabt in der Behandlung des Zelluloidballes gezeigt hatten, spielten auch an der großen Platte die erste Geige. Bald genügte es ihnen nicht mehr, die Spielpartner aus der eigenen Jugendgruppe zu schlagen. Es wurden Wettkämpfe mit den Gruppen benachbarter Pfarrgemeinden vereinbart.
  • Die Vereinsgründung
    Mancher Bewohner der Osterfelder Heide erinnert sich noch an den Handballverein DJK Borussia Osterfeld-Heide, der aus den Jugendgruppen der Kirchengemeinden hervorgegangen war. Dass der Handballverein nur eine sehr kurze Lebensdauer hatte, war in dem Fehlen einer Sportplatzanlage begründet. Als sich die ersten Tischtennis-Interessierten auf der Heide regten, gab es die Handballabteilung zwar nicht mehr, aber der Vereinsname war noch lebendig. Was lag näher, als bei der Tischtennis-Vereinsgründung die alte „Borussia“ wieder aufleben zu lassen.
Eine kleine Gruppe von Tischtennisspielern scharte sich um die in der Jugendarbeit der Kirchengemeinde tätigen Heinz Elsemann und Hans Zupet. Diese beiden, Heinz Elsemann als Vorsitzender und Hans Zupet als Geschäftsführer, waren es, die den Tischtennisverein DJK Borussia Osterfeld-Heide 1957 ins Leben beriefen.

Aus dem noch vorhandenen Schriftwechsel der Gründungszeit geht hervor, dass am 9.5.1957 Hans Zupet erstmals an den damaligen Kreiswart Paul Unterberg aus Bottrop zur Kontaktaufnahme im Hinblick auf die Aufnahme in den Westdeutschen Tischtennisverband herantrat. Der Kreiswart bestellte den Vereinsvertreter zur Jahreshauptversammlung des Kreises am 23.5.1957. An diesem vorbereitenden Gespräch nahmen Hans Zupet, Willi Bode und Alfred Kleefeld teil.

Mit Datum vom 28.5.1957 wurde an den Westdeutschen Tischtennisverband, damals noch mit Sitz in Schwerte (Ruhr), der Aufnahmeantrag gerichtet. Es wurde gebeten, mit einer Senioren- und einer Jugendmannschaft in den Spielbetrieb eingereiht zu werden. Der vom WTTV geforderte formelle Antrag trägt das Datum vom 5.6.1957. Nach Überweisung der seinerzeit noch geringen Aufnahmegebühr von 5,00 DM (zuzüglich 0,15 DM Porto, wie von dem Geschäftsführer äußerst korrekt in den Unterlagen festgehalten) übersandte der WTTV die Aufnahmebestätigung mit Datum vom 12.6.1957. Der Verein DJK Borussia Osterfeld-Heide war damit unter der Nummer 43/7 aus 1957/58 als Mitglied anerkannt.

  • Die Spieler der 1. Stunde
    Mit der Anmeldung im WTTV war der wichtigste Schritt in Richtung auf einen geordneten Spielbetrieb getan. Nun hatten der rührige Vorsitzende Heinz Elsemann und sein nicht minder eifriger Geschäftsführer Hans Zupet die schwere Aufgabe, aus einer Schar von Freizeitsportlern eine Tischtennismannschaft zu bilden und sie an das Wettkampfniveau heranzuführen. Obwohl, wie man zurückblickend sagen kann, die spielerischen Leistungen im TT-Kreis Oberhausen / Bottrop in keiner Weise einen Vergleich mit dem heute Gebotenen aushalten, war der Anfang für die Tischtennisfreunde auf der Heide doch sehr schwer.
Die neue Mannschaft hatte jedoch die Möglichkeit, sich um zwei schon etwas erfahrenere Spieler zu formieren. Das waren Willi Bode und Franz Pacholczak, die beim PSV Oberhausen schon einige Zeit früher mit dem Tischtennisspiel begonnen hatten und die sich sofort ihren Kameraden aus der Jugendgruppe anschlossen, als dort eine Mannschaft entstand. Eifriges Training der übrigen Vereinsmitglieder konnte zwar den Vorsprung dieser beiden nicht wettmachen, aber es trug immerhin dazu bei, dass die Mannschaftsleistungen sich von Spiel zu Spiel verbesserten.

Aus den alten Vereinsunterlagen geht hervor, dass für Willi Bode, Franz Pacholczak, Josef (Sepp) Wattschöder, Krein, Slickers, Siegfried Korioth, Karl-Heinz Bonberg und Heinz Elsemann Spielerpässe beim WTTV angefordert wurden. Beachtenswert, dass schon damals wie auch in all den Jahren später der Vereinsvorsitzende aktiv am Spielbetrieb teilnahm.

Der Start dieser Mannschaft rief in den Jugendgruppen der Pfarrgemeinde ein lebhaftes Echo hervor, und schon am 11.9.1957 konnten für sechs Jugendliche Spielerpässe beantragt werden. Auch die Namen dieser Jugendspieler sind noch in den Vereinsakten festgehalten:
Alfred Kleefeld, Dieter Ginderra, Hans-Georg Dörnemann, Müting, Klemens und Dieter Kleinschmidt.

Zu dem Kreis der Spieler stieß kurze Zeit später auch Herbert Spiller, damals noch aktiver Fußballtorwart in der Verbandsligamannschaft der Spvg. Sterkrade 06 / 07. Für ihn wurde am 27.9.1957 ein Spielerpass beim WTTV beantragt. Im April 1958 trat der spätere Nachfolger von Heinz Elsemann als Vereinsvorsitzender, Manfred Tiemann, dem Verein bei. Für ihn wurde am 12.5.1958 die Spielberechtigung erteilt.

In der ersten statistischen Bestandserhebung, die dem WTTV eingereicht wurde (man sieht, den Papierkrieg gab es damals auch schon), waren 21 aktive Mitglieder gemeldet. Das war sicher ein bescheidener Anfang; aber alle diese Spieler waren mit Freude und großem Eifer bei der Sache, und ohne ihre Begeisterung für den Tischtennissport gäbe es unseren TTC Borussia heute nicht.

  • Das Spiellokal
    Die Frage des Spiellokals war das zentrale Problem für die meisten der in unserem Gründungsjahr spielenden Vereine.
Das Wirtschaftswunder hatte im Jahre 1957 die Kriegswunden in Deutschland fast ganz wieder verheilt, aber auf dem Sektor Sportstättenbau war der Nachholbedarf noch außergewöhnlich groß, denn selbstverständlich hatten die Kommunen zunächst wichtigere Aufgaben zu lösen, als Turnhallen zu bauen.

So war es auch nicht verwunderlich, dass fast alle Vereine in zum Teil abenteuerlichen Räumlichkeiten spielten, Räume, bei denen der WTTV heute mit Sicherheit die Spielgenehmigung verweigern würde. Aber der Sport als solcher war damals primär, alle Äußerlichkeiten folgten weiter hinten in der Rangfolge.

Willi Bode erinnert sich an die Spiellokale aus unserer Gründungszeit noch sehr gut: Der Verein, in dem er zuerst den TT-Schläger geschwungen hatte, der PSV Oberhausen, spielte in der Aula des Polizeipräsidiums. Der PSV war also in der ungewöhnlich glücklichen Lage, in einer man kann fast sagen „vereinseigenen“ Halle zu spielen. Einem Abenteuer dagegen glichen, der Schilderung von Willi Bode nach zu urteilen und auch aus des Chronisten eigener Erfahrung, die Spiele gegen DJK Adler Oberhausen, die in der Gaststätte Ostentor an der Mülheimer Straße und später in der Gaststätte Union an der Schenkendorfstraße stattfanden. Auch das Lokal von RW Oberhausen in einer Gaststätte an der Rolandstraße war nicht besser, musste man doch befürchten, dass man plötzlich unter einem der an der Wand zusammengerückten Tische lag, wenn man sich etwas zu weit in die Abwehr drängen ließ.

Die DJK Fernewald trug ihre Spiele in einem Kelleraum unter der Notkirche „Haus Waldfriede“ an der Fernewaldstraße in Bottrop aus, ein niedriger, durch Stützen unterbrochener Raum.

Die Spiele gegen DJK Styrum sind dem Verfasser noch in besonders „guter Erinnerung“. Die Styrumer spielten in einem Raum an der Mülheimer Straße, der nach dem Krieg als Notkirche gedient hatte. Im Winter konnte man dort nur in pelzgefütterten Handschuhen spielen. Wer weiß noch, dass aus diesem Verein so hervorragende Spieler wie die Gebrüder Wolfgang und Willi Ekers hervorgegangen sind?

Vergleichbare Verhältnisse wie bei uns auf der Heide waren bei der DJK Ebel, die in einem von der Kirchengemeinde zur Verfügung gestellten Jugendraum spielen konnte.

Und damit wären wir bei unserem Spiellokal. Ausschlaggebend für die Vereinsgründung auf der Heide war sicherlich auch, dass gerade, als sich dort der TT-Sport regte, die Kirchengemeinde St. Josef ihren Kindergarten fertig stellte. Der sportbegeisterte Kaplan Gies setzte sich dafür ein, dass die TT-Gruppe den großen Kellerraum zur Verfügung gestellt bekam. Voller Eifer machten sich alle daran, diesen Raum so herzurichten, dass er in etwa den Erfordernissen entsprach. Es konnten zwar nur zwei Platten aufgestellt werden, die zudem noch hintereinander standen, so dass sich die Spieler nicht selten gegenseitig in die Hacken traten, die Heizung reichte für den Raum nicht aus; ein hochgerissener Schläger bedeutete wegen der geringen Deckenhöhe oftmals das Ende einer Deckenleuchte: Alles das tat der Freude am Tischtennisspielen jedoch keinen Abbruch.

Eine Schikane hatte unser Spiellokal aufzuweisen, die einmalig im weiten Umkreis war. Der Kindergarten liegt, wie sich in der Örtlichkeit leicht feststellen lässt, am Rande einer Mulde. Sobald ein starker Regen eintrat, staute sich das vom Stemmersberg abfließende Niederschlagswasser in der Hausanschlussleitung und überflutete durch einen Abfluss im Nachbarkeller unseren TT-Raum. Vielleicht kann sich jemand unsere nicht für empfindliche Ohren bestimmten „Freundlichkeiten“ ausmalen, wenn wir eine 5 cm dicke Schlammschicht aus dem Keller entfernen mussten. Besen, Schaufel und Aufnehmer gehörten damals genauso zu unserer Ausrüstung wie der Tischtennisschläger. Eines darf jedoch nicht unerwähnt bleiben: Für jeden Spieler war es eine Selbstverständlichkeit, sofort zuzupacken, wenn es galt, ein derartiges Übel zu beseitigen. Hinterher saß man dann auf den Bänken des zum Kindergarten gehörenden Spielplatzes zusammen, und bei ein paar Flaschen Bier wurde der Sieg in der „Schlammschlacht“ gefeiert. Unausgesprochen empfanden dann alle die großartige Kameradschaft, die in unserem Verein herrschte.

Der Vollständigkeit halber muss noch erwähnt werden, dass der Kindergartenkeller nicht unser letztes Spiellokal war, bevor wir in die Turnhalle der Eisenheimschule umzogen.

Als die Mitgliederzahl wuchs, mussten wir zwangsläufig nach einem größeren Raum suchen. Die Stadt Oberhausen bot uns die Pausenhalle der Robert-Koch-Schule an der Hertastraße an. Wegen fehlender Wasch- und Umkleideräume und wegen des Steinbodens in der Halle zogen wir später in die Turnhalle der Tackenbergschule an der Dinnendahlstraße in Sterkrade um. Unseren ersten Spieltag dort hatten wir am 11.9.1967.

In Sterkrade aber waren wir nicht mehr auf der Heide, und als die Stadt Oberhausen die Eisenheimschule erweiterte und eine Turnhalle baute, bewarben wir uns sofort um diese Halle, in die wir am 18.11.1968 umzogen und die seit über 28 Jahren unsere Vereinsheimat geblieben ist.

Hier fanden wir für die damalige Zeit optimale Spielverhältnisse vor. Der Trainingsbetrieb weitete sich aus. Leistung rückte zunehmend in den Mittelpunkt. Vor diesem Hintergrund ist die Anschaffung eines Ballroboters im Jahre 1969 zu sehen, seinerzeit für einen Tischtennisverein keine Selbstverständlichkeit. 1969 wurde auch erstmals das immer noch beliebte Je-Ka-Mi-Turnier ausgerichtet.

In den 70er Jahren brach ein regelrechter Tischtennisboom aus, u. a. hervorgerufen durch die internationalen Erfolge von Eberhard Schöler (Vize-WM 1969 im Herreneinzel). Mit dieser Entwicklung konnte unsere Nachwuchsarbeit unter Rolf Lerchs Federführung Schritt halten. Die Früchte dieser Arbeit spiegelten sich in diversen Einzel- als auch in Mannschaftserfolgen wieder.

Mitte der 70er konnte der Verein erstmalig eine Schülermannschaft melden. Zu jener Zeit hatte Manfred Herbst den Nachwuchs unter seine Fittiche genommen. Bei allem sportlichen Ehrgeiz kamen auch in diesen Jahren das Vereinsleben und die Geselligkeit nicht zu kurz. Neben den damals selbstverständlichen Treffs nach Training und Wettkampf in unserem Vereinslokal wurden regelmäßig gemeinschaftliche Unternehmungen durchgeführt, wie z. B. Kegelabende, Schiffsfahrten, Radtouren und Wanderungen.

Ende der 70er Jahre schaffte die 1. Jugend den Aufstieg in die höchste Spielklasse. Auch der 1. Herrenmannschaft gelang der lang ersehnte Sprung in die Bezirksliga.

Anfang der 80er Jahre setzte sich der positive Trend fort. Zu dieser Zeit konnte der Verein sogar mit einer Damen- und Schülerinnenmannschaft aufwarten.

Der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte war der Aufstieg der 1. Herrenmannschaft in die Landesliga im Jahre 1982. Besonders erwähnenswert ist, dass alle Spieler im Verein „groß“ geworden sind und damals wie heute keinerlei Geld- oder Sachzuwendungen geleistet wurden. Anders als heute brachte die rege Zuschauerbeteiligung einen echten Heim-vorteil.

In dieser Klasse konnten wir uns nicht nur behaupten, sondern spielten in der Saison 83/84 sogar um einen Aufstiegsplatz zur Verbandsliga mit. Überraschend war der Abstieg im darauf folgenden Jahr, dem allerdings ein sofortiger Wiederaufstieg folgte.

Steffi Graf und Boris Becker läuteten Mitte der 80er einen unglaublichen Tennisboom ein, leider zu Lasten des Tischtennissports. Betroffen waren nahezu alle Vereine in unserem Umfeld, natürlich auch wir selbst.

Auswirkungen beim TTC Borussia Osterfeld-Heide:
- Zuwendung einer Reihe von Spielern zum Tennissport
- kaum noch Neuzugänge
- mangelhafte Trainingsbeteiligung
- kontinuierlicher sportlicher Abstieg

Bezeichnend für die traurige Entwicklung war eine Jahreshauptversammlung im Jahre 1989, an der nur insgesamt 13 Mitglieder teilnahmen. Zieht man hiervon die anwesenden Jugendlichen sowie den erweiterten Vorstand inklusive Kassenprüfer ab, so verließen nur 3 der Anwesenden ohne Ehrenamt das Vereinslokal.

Die gesamte Vereinsarbeit lag in diesem und den darauf folgenden Jahren in den Händen einiger weniger engagierter Vereinsmitglieder, die allenfalls zu den Jahreshauptversammlungen ihre Ämter untereinander tauschten.

Im Gegensatz zu den früheren Jahren erkannten sie jedoch, dass ein „professionelleres“ Führen des Vereins zwingend notwendig ist, um neben den „TT-Großvereinen“ attraktiv zu bleiben oder gar bestehen zu können. Reichten dem Vereinsvorstand in den 70er Jahren noch Sitzungstreffen im 3-Monatsrhythmus, wurde es nun notwendig, sich in 6-Wochen-Abständen zusammenzusetzen, um die Vereinsgeschicke zu organisieren. Heute liegen die Intervalle sogar schon im 4-Wochen-Rhythmus. So gelang es, die Rahmenbedingungen kontinuierlich zu verbessern.

Nach 1992 konnten die ersten Früchte dieser Arbeit im Nachwuchsbereich geerntet werden. Die 1. Herrenmannschaft, die eigentlich das sportliche Aushängeschild eines jeden Vereins darstellt, schien ebenfalls ihren Tiefstpunkt überwunden zu haben. Wie das richtige Leben waren die Jahre für den Verein eine Berg- und Talfahrt, glücklicherweise aber mehr von Höhen denn von Tiefen geprägt. Eine Prognose fiel sowohl damals als auch heute schwer. Denn alles steht und fällt mit den ehrenamtlich Tätigen. Nur die Bereitschaft Vieler, uneigennützig Aufgaben zu übernehmen, kann die Existenz unseres Vereins mittelfristig sichern. Bleibt zu hoffen, dass der dringende Appell, den TTC nicht nur als Selbstbedienungsladen zu sehen, genügend Gehör findet.

Noch im Jahr des 40-jährigen Jubiläums schaffte es unsere 1. Jugend endlich in die Bezirksliga aufzusteigen. Viele Mühen und Versuche hatte es in den letzten Jahren gekostet und oft scheiterte der Nachwuchs erst in der Aufstiegsrunde. Doch dieses Mal machte da die Mannschaft mit Mustafa Özbir, Marc-Andre Pip, Marcel Grunow und Jens Zimmermann den Aufstieg als ungeschlagener Meister dingfest. Und auch als Liganeuling schlugen sich unsere Jungs beachtlich und belegten den 4. Tabellenplatz. Doch nach diesen Erfolgserlebnissen folgte ein erneuter Rückschlag. Die erfolgreiche Jugendabteilung hatte viele Abmeldungen und Abgänge in den Senioren-Bereich zu verkraften, so dass Nachwuchsbereich immer mehr schrumpfte.

  • Borussia im neuen Jahrtausend
    Mit Spannung wurde auch aus sportlicher Sicht auf den Beginn des neuen Jahrtausends geblickt? Was würde es unserem TTC Osterfeld-Heide bringen? Hoffnungsvoll waren zunächst die Erwartungen, doch der Start ins neue „Millennium“ verlief alles andere als gut. Sportlich gab es nur Durchschnittliches zu verzeichnen. Zwar konnten sich alle Herrenmannschaften in ihren Spielklassen halten, mehr konnte aber dann auch nicht auf der Jahreshauptversammlung im Sommer 2000 verzeichnet werden. Auch intern kriselte es ein wenig. Die Vereinsarbeit lastete auf ein paar wenigen Schultern und auch die Rufe nach zusätzlichen helfenden Händen verhallte zunächst ungehört.
Das kommende Jahr sollte ebenfalls keine Verbesserung der Situation bringen. Zwar stieg die 2. Herren in Kreisliga auf, doch setzte sich die interne Krise fort: trauriger Höhepunkt war, dass der ehemals so erfolgreiche Nachwuchskader auf vier Jugendliche zusammengeschmolzen war. Nach diesen Turbulenzen im Jugendbereich handelte der Vorstand um Udo Emmel. Neuer Jugendtrainer wurde Klaus Kons, dem Michael Günther als Betreuer zur Seite stehen sollte. Das war der Startschuss zu einer Jugendarbeit, die schon bald Früchte tragen sollte. Und das war auch dringend notwendig. Denn den Herrenmannschaften mangelte es an „frischem Blut.“

Zusätzlich war das Jahr 2001 mit einer tief greifenden Veränderung des TT-Sports verbunden. Statt zwei Gewinnsätze bis 21 wurde nun drei Sätze bis jeweils 11 gespielt und auch das Sportgerät selbst wurde modifiziert: der Durchmesser des Zelluloidballes betrug nun 40 mm. Wie insgesamt beäugten auch die Sportkameraden des TTC Osterfeld-Heide jene Veränderung eher kritisch. Doch war es nicht die einzige Neuerung, die in den kommenden Jahren für gemischte Gefühle sorgte.

Ungeachtet der Regelumwälzung wurde die Spielzeit 2002/2003 sowohl sportlich, als auch intern ruhiger und erfolgreicher. Erstmals in der Vereinsgeschichte präsentierte sich unser Verein auf einer eigenen Internetpräsenz, die von Frank Giesen ins Netz gestellt wurde. Auch die Pressearbeit wurde verstärkt und somit war in der Lokalpresse öfter Artikel über unsere Borussia zu lesen. Und dazu gab es auch allen Grund. Die Jugendmannschaft schaffte den Sprung in die Jungen-Kreisliga und bei den Nachwuchsranglisten war jetzt wieder öfter ein Name aus unseren Reihen vorne dabei. Sorgenkind in dieser Spielzeit war die 1. Mannschaft: Fast die ganze Serie musste Kapitän Udo Emmel auf verletzte Spieler verzichten, so dass die vielen Ersatzstellungen einigen Wirbel verursachten. Im kommenden Jahr blieb die Truppe allerdings vom Verletzungspech verschont und belegte wieder einen Platz im Tabellenmittelfeld. Aushängeschild blieb weiterhin die Jugendarbeit. Die Spieler setzten sich bei Meisterschaften auf Stadt- oder Kreisebene durch und holten einige Titel für Osterfeld-Heide.

Nun konnten auch erste Erfolge bei Ranglisten auf Bezirksniveau verbucht werden. Das Jugendtraining wurde von den Trainern und Betreuern immer intensiver gestaltet: der Erfolg wurde schnell deutlich – immer mehr Spieler aus dem Osterfelder Nachwuchs nahmen erfolgreich an den Wettkämpfen auf Kreis- und Bezirksebene teil und setzten damit den Aufwärtstrend fort so auch im kommenden Jahr. Die Herrenabteilung konnte mit dieser positiven Entwicklung nur schwer mithalten. Zwar blieb sie vom Verletzungspech der letzten Jahre verschont, doch auf sportlicher Ebene wurde es dennoch heikel. Es sah so aus, als ob die 1. Herren den Klassenerhalt in der Spielzeit 2004/2005 nicht schaffen würde. In der Winterpause rangierte sie auf einem Abstiegsplatz – der sportliche Tiefpunkt war erreicht. Nach einigen personellen Veränderungen konnte der Verbleib in der Bezirksklasse allerdings noch in letzter Sekunde gesichert werden.

Die Saison 2005/2006 sollte für den TTC Osterfeld-Heide einiges bereit halten. Schon lange war eine Umstrukturierung der Kreise geplant: jetzt wurde sie in die Tat umgesetzt. Nach vielen Jahrzehnten wurde der Kreis Oberhausen/Bottrop auseinander gerissen. Von nun an ging es gegen neue Gegner. Doch blieben alle zunächst skeptisch. Alte TT-Freundschaften drohten zu brechen und auch die Spieltage und Anfahrtswege hielten einige Überraschungen bereit, die nicht immer erfreulich waren. Doch sportlich ging es jetzt aufwärts. Nach dieser Tal- und Bergfahrt der 1. Herren sollte der größte Erfolg im Seniorenbereich des TTC Osterfeld-Heide seit langer Zeit folgen. Mit zwei neuen Spielern verstärkte sich unsere Erstvertretung und holte prompt den Meistertitel in der Bezirksklasse und löste damit das Ticket für die Bezirksliga. Nach fast sieben Jahren kehrte die Mannschaft wieder zurück in die höchste Liga auf Bezirksebene. Auch im Jugendbereich hat der TTC Osterfeld-Heide nach ganz oben aufgeschlossen. In WTTV-Kreisen gilt die Nachwuchsarbeit im Schülerbereich des ältesten TT-Vereins in Oberhausen als vorbildlich, was sich vor allem in den häufigen Einladungen zu Kadertrainings widerspiegelt und auch in den mittlerweile zahlreichen Titeln im Liga- und Turnierbetrieb. Auch in der gerade abgeschlossenen Saison hat der TTC Osterfeld-Heide nur Gutes zu verzeichnen. Alle Mannschaften konnten sich in ihren Spielklassen halten – unser Nachwuchs hat sich weiter einen Namen gemacht.

So schaut der TTC Osterfeld-Heide auf ein wahres Wechselbad der Gefühle und Erfolge in den vergangenen zehn Jahren zurück, in denen es viele Turbulenzen positiver aber auch negativer Art gab. Eines ist “Heide” aber nie abgegangen. Und das ist der Spaß am Sport, der letzten Endes auch wieder den sportlichen Erfolg in fast allen Bereichen gebracht hat. Mit dieser Erkenntnis im Stammbuch des Vereins dürfen wir gespannt in die Zukunft schauen und abwarten, was uns die nächsten fünfzig Jahre bringen.
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